Ein Sardinien-Roadtrip verbindet türkisfarbene Buchten, kurvige Küstenstraßen und überraschend wilde Berglandschaften. Damit die Reise nicht in täglichem Kofferpacken und langen Transferetappen endet, braucht es eine Route mit sinnvollen Standorten, realistischen Fahrzeiten und etwas Spielraum für Wetter und spontane Stopps. Hier findest du einen praxistauglichen Plan für zwölf Tage, Hinweise zu Fähre und Camping sowie ein realistisches Reisebudget.
Mit diesen Eckpunkten wird die Rundreise entspannt
- Zwölf Tage reichen für eine abwechslungsreiche Runde mit Cagliari, Ostküste, Gallura, Alghero und Bosa.
- Drei bis fünf feste Standorte sind angenehmer als jeden Abend einen neuen Stellplatz zu suchen.
- Mai, Juni, September und Oktober bieten meist das bessere Verhältnis aus Wetter, Preisen und Besucherandrang.
- Für die Insel solltest du etwa 1.200 bis 1.600 Kilometer Fahrstrecke einplanen.
- Mit eigenem Camper liegen die Kosten für zwei Personen grob bei 1.500 bis 3.000 Euro, abhängig von Fähre und Saison.

Die passende Route für zwölf Tage
Ich würde die Insel nicht einfach an der Küste entlang abhaken. Besser funktioniert eine Runde mit längeren Aufenthalten an ausgewählten Orten. So bleibt Zeit für einen Strandtag, eine Wanderung oder einen Abstecher ins Landesinnere, ohne dass jeder zweite Tag nur aus Fahren besteht.
| Tag | Etappe und Übernachtung | Was sich lohnt |
|---|---|---|
| 1 | Cagliari | Altstadt, Hafenviertel und Stadtstrand Poetto |
| 2 | Cagliari nach Villasimius | Küstenstraße, Capo Carbonara und kleine Buchten |
| 3 | Villasimius nach Costa Rei | Langer Strandtag und entspannter Start in die Ostküste |
| 4 | Costa Rei nach Cala Gonone oder Dorgali | Bergstraßen, Supramonte und Hafen von Cala Gonone |
| 5 | Cala Gonone | Bootstour im Golf von Orosei oder Wanderung zur Cala Luna |
| 6 | Cala Gonone nach Olbia oder San Teodoro | La Caletta, Tavolara oder die Lagune von San Teodoro |
| 7 | Palau und La Maddalena | Inselrundfahrt, Buchten und Granitlandschaften |
| 8 | Palau über Santa Teresa nach Castelsardo | Capo Testa, Costa Paradiso und rote Granitküste |
| 9 | Castelsardo nach Alghero | Altstadt, Stadtmauer und Sonnenuntergang am Meer |
| 10 | Alghero nach Bosa | Eine der schönsten Küstenstraßen der Insel und Bosa Marina |
| 11 | Bosa über Oristano nach Cagliari | Halbinsel Sinis oder kurzer Kulturstopp im Landesinneren |
| 12 | Cagliari | Reserve für Abreise, Mietwagenrückgabe oder einen letzten Strandtag |
Die längste Etappe liegt zwischen Costa Rei und Cala Gonone. Dafür solltest du je nach Strecke und Pausen etwa dreieinhalb bis vier Stunden einplanen. Wer langsamer reisen möchte, lässt Villasimius oder Alghero weg und bleibt dafür zwei oder drei Nächte an der Ostküste.
Die schönsten Abschnitte dieser Runde
Die Strecke von Villasimius nach Costa Rei ist vergleichsweise kurz, wirkt aber durch die vielen Aussichtspunkte nicht wie ein reiner Transfer. An der Südostküste gefallen mir besonders die weniger dicht bebauten Strandabschnitte. Im Hochsommer lohnt es sich, früh anzukommen, weil Parkplätze an beliebten Buchten schnell voll sind.
Cala Gonone ist der richtige Standort, wenn du Sardiniens dramatische Ostküste erleben möchtest. Die Buchten des Golfs von Orosei sind vom Land aus teilweise nur über längere Wanderungen erreichbar, deshalb ist eine Bootstour für viele Reisende die effizienteste Lösung. Bei starkem Wind können Ausflüge ausfallen, weshalb ein Puffertag sinnvoll ist.
Im Norden wechseln sich die mondäne Costa Smeralda, das deutlich rauere Capo Testa und die lange Strecke Richtung Castelsardo ab. Porto Cervo ist sehenswert, aber für mich kein Pflichtstopp von mehreren Stunden. Die Granitfelsen bei Capo Testa und die Küstenlandschaft bei Costa Paradiso bieten meist mehr Naturerlebnis für weniger Zeit.
Fähre, Flug oder Mietwagen
Wer aus Deutschland mit eigenem Camper oder Auto anreist, nimmt meist eine Fähre ab Livorno, Genua oder Civitavecchia. Livorno nach Olbia ist für eine Rundreise durch den Norden praktisch, während Genua nach Porto Torres den Westen besser erschließt. Für eine Route mit Schwerpunkt Süden kann Civitavecchia nach Cagliari sinnvoll sein.
Die Überfahrt dauert je nach Verbindung ungefähr sechs bis zwölf Stunden. Nachtfähren sparen eine Hotelnacht, sind aber nicht automatisch günstiger, sobald Kabine, Fahrzeuggröße und Saisonaufschläge dazukommen. Mit Fahrzeug solltest du beim Check-in häufig rund zwei Stunden vor Abfahrt sein und die Maße des Campers exakt angeben.
Für Reisende mit wenig Zeit ist ein Flug nach Cagliari, Olbia oder Alghero und ein Mietwagen oft unkomplizierter. Ein Kleinwagen kostet außerhalb der Hauptsaison grob 35 bis 70 Euro pro Tag, im Juli und August können daraus trotz früher Buchung deutlich mehr werden. Bei Einwegmieten zwischen verschiedenen Flughäfen kommt häufig eine Zusatzgebühr hinzu.
| Variante | Passt besonders gut für | Typischer Nachteil |
|---|---|---|
| Eigener Camper | Flexible Reise, viel Ausrüstung, längere Aufenthalte | Fähre und Stellplätze werden in der Hauptsaison teuer |
| Eigenes Auto und Ferienwohnungen | Paare und Familien mit festen Tagesetappen | Weniger spontan, Parken in Orten kann schwierig sein |
| Flug und Mietwagen | Sieben bis zehn Tage mit leichtem Gepäck | Mietwagenpreise und Kaution schwanken stark |
Ich würde die Anreise nicht isoliert betrachten. Der richtige Fährhafen kann auf Sardinien mehrere Stunden Umweg sparen, und genau diese Stunden fehlen später oft für einen Strand- oder Wandertag.
Camping und Übernachten ohne Stress
Mit dem Camper sind Campingplätze an der Küste die verlässlichste Lösung. Eine Parzelle für zwei Personen kostet in der Nebensaison oft 25 bis 40 Euro pro Nacht, im Juli und August eher 40 bis 65 Euro. Strom, zusätzliche Fahrzeuge, Haustiere und die Lage direkt am Meer können den Preis erhöhen.
Für die Route würde ich nicht jeden Abend weiterziehen. Sinnvoll sind zwei Nächte bei Cala Gonone, zwei Nächte im Raum Palau oder San Teodoro und mindestens zwei Nächte bei Alghero oder Bosa. Dadurch bleibt der Aufbau des Campers überschaubar und du kannst einzelne Tage ohne Fahrstress verbringen.
Freistehen und Stellplätze
Freies Übernachten am Strand klingt verlockend, ist aber keine zuverlässige Reiseplanung. Gemeinden können das Campen außerhalb ausgewiesener Flächen untersagen, und gerade an bekannten Stränden wird in der Saison kontrolliert. Markise, Tisch und Stühle solltest du nur dort aufstellen, wo es ausdrücklich erlaubt ist.
Vor abgelegenen Küstenabschnitten prüfe ich außerdem Wasser, Entsorgung und die Zufahrt. Manche Zufahrten sind eng, unbefestigt oder für größere Fahrzeuge ungeeignet. Ein offizieller Campingplatz kostet mehr als ein improvisierter Übernachtungsplatz, erspart aber Ärger und bietet meist die Infrastruktur, die nach einem heißen Tag wirklich zählt.
Fahrzeiten, Straßen und typische Fehler
Sardinien hat keine klassischen Autobahnen mit Maut. Die wichtigen Schnellstraßen, darunter die SS 131, verbinden die größeren Orte recht zügig. Auf Küsten- und Bergstraßen sinkt das Tempo jedoch deutlich, deshalb sind 100 Kilometer nicht automatisch eine kurze Etappe.
Für die Planung rechne ich zu jeder Kartenangabe mindestens 20 bis 30 Prozent zusätzliche Zeit für Fotostopps, Baustellen, Tanken und Parkplatzsuche. Die SS 125 an der Ostküste ist landschaftlich reizvoll, aber kurviger als die direkte Verbindung durchs Landesinnere. Wer mit einem großen Wohnmobil unterwegs ist, sollte enge Ortsdurchfahrten und spontane Abstecher besonders vorsichtig einschätzen.
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Diese Punkte werden häufig unterschätzt
- Zu viele Ziele: Cagliari, Alghero, Olbia, La Maddalena und den Golf von Orosei in sieben Tagen unterzubringen, führt fast zwangsläufig zu langen Transfertagen.
- Strandzugang: Einige berühmte Buchten verlangen frühe Ankunft, Reservierung oder einen längeren Fußweg.
- Parken: In Altstädten wie Alghero oder Bosa gelten teilweise Zufahrtsbeschränkungen. Das italienische Kürzel ZTL bezeichnet eine verkehrsberuhigte Zone mit eingeschränkter Einfahrt.
- Wasser und Schatten: Im Sommer sind gefüllte Trinkwasservorräte, Sonnenschutz und eine funktionierende Kühlung wichtiger als zusätzliches Campingzubehör.
- Sonntage und Nebensaison: Kleine Geschäfte, Tankstellen oder Ausflugsschalter können außerhalb der touristischen Zentren eingeschränkte Öffnungszeiten haben.
Besonders bei Ausflügen nach La Maddalena oder in den Golf von Orosei würde ich Tickets nicht erst am selben Morgen kaufen. In der Hauptsaison sind Bootstouren und Stellplätze schnell ausgebucht, während sich das Wetter auf dem Wasser kurzfristig ändern kann.
Die beste Reisezeit und ein realistisches Budget
Für einen entspannten Roadtrip gefallen mir Mai, Juni, September und Oktober am besten. Das Meer ist im Frühsommer und Frühherbst oft noch angenehm, die Straßen sind weniger voll und Übernachtungen kosten meist weniger als in den Ferienmonaten.
Juli und August sind ideal für lange Badetage, aber sie verlangen mehr Planung. Strände, Fähren und Campingplätze sind stärker ausgelastet, und im Camper kann die Hitze an der Küste belastend werden. Wanderungen im Supramonte oder entlang der Ostküste sollten dann in die frühen Morgenstunden gelegt werden.
| Ausgaben für zwölf Tage und zwei Personen | Richtwert | Wovon es abhängt |
|---|---|---|
| Fähre mit Auto oder Camper | 400 bis 1.200 Euro | Fahrzeuglänge, Kabine, Reisetermin und Buchungszeitpunkt |
| Campingplätze | 300 bis 700 Euro | Saison, Strom, Meerblick und Aufenthaltsdauer |
| Kraftstoff | 180 bis 320 Euro | Fahrzeug, Verbrauch, Umwege und aktueller Literpreis |
| Lebensmittel und Restaurants | 500 bis 900 Euro | Selbstversorgung, Strandbars und Restaurantbesuche |
| Ausflüge und Parkgebühren | 150 bis 450 Euro | Bootstouren, Eintritt, Fähre nach La Maddalena und Parken |
Für zwei Personen im eigenen Camper ergibt das insgesamt grob 1.500 bis 3.000 Euro, ohne die Anfahrt bis zum italienischen Fährhafen. Mit Mietwagen und Hotels liegt das Budget meist deutlich höher, dafür entfällt die lange Anreise mit dem eigenen Fahrzeug.
So bleibt die Route flexibel
Plane nur die ersten und letzten Übernachtungen unverrückbar. Dazwischen sollten ein bis zwei Tage flexibel bleiben, damit Wind, Hitze oder ein besonders schöner Ort die Reise verändern dürfen.
Mein wichtigster praktischer Rat ist, nicht jede berühmte Bucht auf die Liste zu setzen. Zwei gute Strände, ein Wandertag und ein lokales Abendessen bleiben oft stärker in Erinnerung als sechs kurze Fotostopps. Sardinien funktioniert am besten, wenn die Route Orientierung gibt, aber nicht jede Stunde vorgibt.
Wer nur sieben Tage hat, konzentriert sich am besten auf eine Region, etwa die Nordostküste mit Palau, La Maddalena und San Teodoro oder den Süden rund um Cagliari und Villasimius. Für die komplette Inselrunde sind dagegen mindestens zehn, angenehmer noch zwölf bis vierzehn Tage realistisch.